Rollenware nachhaltig wiederverwerten in der Praxis

Praktische Tipps zur Wiederverwertung von Rollenware

Rollenware – ob Folien, Papierbahnen, Textilien oder Nonwovens – fällt in nahezu jeder verarbeitenden Industrie an. Ihre nachhaltige Wiederverwertung entscheidet mit darüber, wie effizient Unternehmen Ressourcen nutzen, Abfälle vermeiden und Kosten senken. Dieser Beitrag zeigt, wie sich Materialkreisläufe für Rollenware praktisch schließen lassen und liefert einen kompakten Leitfaden zum Sammeln, Sortieren und Wiederverwerten.

Nachhaltige Materialkreisläufe für Rollenware

Rollenware eignet sich besonders gut für zirkuläre Modelle, weil sie in standardisierten Breiten, Qualitäten und Chargen vorliegt. Typische Abfallströme sind Randbeschnitt, Anfahrware, Rollenreststücke, Beschädigungen durch Transport sowie Fehlproduktionen. Wer diese Ströme frühzeitig trennt und qualitätsgesichert erfasst, schafft die Basis für eine hochwertige Wiederverwertung von Rollenware anstatt Downcycling oder thermischer Verwertung.

Kern des Kreislaufs ist „Design for Recycling“. Monomaterialien (z. B. reine PE-, PP- oder PET-Folien) lassen sich mechanisch gut regranulieren; bei Papierbahnen helfen sortenreine Qualitäten und wasserlösliche Klebstoffe. Wo Verbunde nötig sind, sollte die Trennbarkeit sichergestellt sein, etwa durch lösbare Klebstoffe, lösungsmittelbasierte Delamination oder lösbare Barriere-Schichten. Standardisierte Hülsenmaße (3" oder 6"), rückstandsarme Druckfarben, reduzierte Additive und eindeutig gekennzeichnete Materialcodes (z. B. mittels QR/Produktpass) verbessern die Kreislauffähigkeit messbar.

Logistisch schließen sich Kreisläufe über Rücknahmemodelle und Partnerschaften. Lieferanten können Hülsen und Paletten zurücknehmen, Verarbeiter geben saubere Randbeschnitte in eine Closed-Loop-Regranulatstrecke, und Druckereien organisieren Take-back-Programme für Liner und Trägerpapiere. Digitale Erfassung von Mengen, Qualitäten und Feuchtegehalten hilft, verlässliche Sekundärrohstoffströme aufzubauen und die Rezyklate wieder in tragfähige Anwendungen – etwa Innenlagen, Hülsen, Müll- und Versandbeutel oder Kartonzwischenlagen – zurückzuführen.

Praxisleitfaden: Sammeln, Sortieren, Wiederverwerten

Sammeln: Starten Sie mit einer Stoffstromanalyse entlang der Linie – vom Abrollen über die Schlitzmaschine bis zur Konfektion. Richten Sie farblich gekennzeichnete, gut erreichbare Sammelstellen ein: separat für Papier/Pappe, PE-LD/PE-HD, PP, PET, Textilien/Nonwovens sowie „Problemfraktionen“ (z. B. stark verschmutzte oder mehrschichtige Verbunde). Rollenreste trocken und vor UV schützen, Folien nicht knicken; feuchte Papiere separat halten. Beschädigte Rollen sicher bewegen (Rollwagen, Spanngurte), Kerne nicht in den Kunststoffbehälter werfen.

Sortieren: Entfernen Sie Hülsen, Etiketten, Metallklammern und Fremdstoffe frühzeitig. Für Kunststoffe bewährt sich eine Erstsortierung nach Polymerfamilie und Farbe; NIR-Handscanner oder Dichteproben erleichtern die Zuordnung, bei Bedarf ergänzt um MFI-Prüfungen zur Prozessfähigkeit. Für Papierbahnen helfen eindeutige Sortencodes und Grenzwerte: Feuchte meist <10 %, Störstoffe <2 %. Dokumentieren Sie Chargen, Gewichte und Qualitätsmerkmale direkt beim Einwurf – eine einfache App oder ein Scan des Rollenlabels schafft Rückverfolgbarkeit.

Wiederverwerten: Saubere Randbeschnitte aus PE/PP lassen sich intern mahlen und regranulieren; das Rezyklat kann in Kern- oder Mittelschichten, Folien für Abdeck- oder Versandzwecke oder Spritzgussteile fließen. PET- und PA-Lasten benötigen oft Waschen und Kristallisieren, Verbunde gegebenenfalls Delamination oder – als letzte Option – chemisches Recycling/Pyrolyse. Papierrollenreste gehen idealerweise in den Deinking-/Stoffaufbereitungsprozess und werden zu Tissue, Karton oder Hülsenmaterial. Für Nonwovens sind mechanisches Reißen und Akustik- oder Dämmanwendungen praxiserprobt. Wählen Sie zertifizierte Partner (z. B. EuCertPlast, FSC Recycled, RecyClass) und definieren Sie KPIs: Recyclingquote, Ausbeute, Kostenvorteil gegenüber Entsorgung, CO2-Einsparung je Tonne – so wird die Wiederverwertung von Rollenware zum belastbaren Geschäftsfall.

Wer Rollenware konsequent kreislauffähig gestaltet, sauber sammelt und qualitätsgesichert sortiert, erschließt stabile Sekundärrohstoffe, senkt Entsorgungs- und Rohstoffkosten und reduziert den CO2-Fußabdruck. Mit klaren Prozessen, verlässlichen Partnern und wenigen technischen Hilfsmitteln wird aus „Abfall“ ein planbarer Wertstrom – und aus einem guten Vorsatz gelebte Praxis.