Papier ist erstaunlich robust und zugleich empfindlich: Ein kurzer Wasserschaden, Temperaturschwankungen oder unsachgemäße Lagerung reichen, um Dokumente, Bücher und Drucke dauerhaft zu beeinträchtigen. Wer nach einem Schaden schnell und richtig handelt, kann jedoch viel retten. Dieser Leitfaden erklärt die häufigsten Ursachen und Risiken sowie praxiserprobte Schritte zur Papierverarbeitung bei Schäden – vom sicheren Trocknen über das Glätten bis zur konservatorischen Stabilisierung.
Papierverarbeitung bei Schäden: Ursachen und Risiken
Feuchtigkeit ist die häufigste Ursache für Papierschäden. Wasser führt zum Quellen der Fasern, zum Verlaufen von Tinten, zur Blockbildung bei gestrichenen Papieren und schafft ein ideales Milieu für Schimmel. Je länger Papier feucht bleibt, desto größer werden die Risiken: wellige Oberflächen, Verklebungen von Blättern und ein dauerhafter Verlust von Lesbarkeit. Besonders kritisch sind Drucke mit wasserlöslichen Medien, z. B. Tintenstrahldrucke, Aquarelle und Anstreichungen.
Temperatur, Licht und Luftqualität wirken als Beschleuniger. Wärme intensiviert chemische Abbauprozesse und fördert Schimmelwachstum; UV-Licht bricht Fasern auf und bleicht Farben aus; saure Schadstoffe aus der Luft (oder aus holzhaltigen Papieren selbst) führen zu Versprödung und Vergilbung. Auch mechanische Einflüsse – Knicke, Falten, falsche Klammern, zu enge Ordner – schwächen das Material und bereiten Schäden vor, die bei Feuchtigkeit oder Belastung eskalieren.
Ein weiterer Risikofaktor ist die Materialmischung: Heftklammern rosten, Klebebänder wandern und hinterlassen klebrige, verfärbte Zonen; Kunststoffe können Weichmacher abgeben. Beschichtete Papiere (Magazin- und Fotopapiere) neigen im nassen Zustand zum Verblocken, während Baumwoll- oder Hadernpapiere insgesamt stabiler reagieren. Wer die Materialeigenschaften kennt, kann das Vorgehen im Schadensfall gezielt anpassen und Folgeschäden minimieren.
Praktische Tipps: Trocknen, Glätten, Konservieren
Schnelles, kontrolliertes Trocknen hat Priorität. Isolieren Sie nasse Exemplare, legen Sie sie flach und interleaven Sie vorsichtig mit saugfähigem, fusselfreiem Papier (z. B. unbedrucktes Küchenpapier, Löschpapier), das regelmäßig gewechselt wird. Sorgen Sie für Luftbewegung ohne direkten Luftstrom auf das Papier, und halten Sie die Raumfeuchte niedrig (z. B. mithilfe eines Entfeuchters). Stark durchnässte Bestände lassen sich bei großem Umfang durch Gefrieren stabilisieren; eine spätere Gefriertrocknung reduziert Blockbildung und Schimmelrisiken.
Zum Glätten nach dem Trocknen eignen sich schonende Pressen unter Gewicht. Legen Sie die Blätter zwischen sauberes, glattes Papier und Kartonlagen, dann beschweren Sie das Paket gleichmäßig und wechseln die Zwischenlagen, bis Restfeuchte verschwunden ist. Bei stärkerer Welligkeit hilft ein kontrolliertes Feuchtepaket: eine kurze, gleichmäßige Anfeuchtung in einer abgeschlossenen Umgebung (z. B. über einer feuchten Barriere, ohne direkten Wasserkontakt), gefolgt von Pressen. Vermeiden Sie Haushaltsbügeleisen und hohe Temperaturen – sie können Tinten mobilisieren, Beschichtungen beschädigen und Glanzstellen erzeugen.
Für die konservatorische Stabilisierung gilt: Verwenden Sie pH-neutrale, alterungsbeständige Materialien. Umschläge und Mappen aus säurefreiem Karton, Polyester- oder Polypropylenhüllen schützen vor Staub und mechanischer Belastung. Entfernen Sie problematische Klebebänder nicht gewaltsam; dies gehört in die Hände von Fachleuten, die mit Japanpapier und Weizenstärkeklebstoffen arbeiten. Dokumentieren Sie jeden Schritt (Fotos, Notizen), priorisieren Sie besonders gefährdete Stücke (nass, beschichtet, wertvoll) und erwägen Sie eine Digitalisierung nach der Stabilisierung, um Inhalte trotz möglicher Substanzverluste zu sichern.
Sorgfalt, Geduld und das richtige Vorgehen zur richtigen Zeit sind der Schlüssel zur erfolgreichen Papierverarbeitung bei Schäden. Wer Ursachen und Risiken kennt, kann Schäden begrenzen und Originale für die Zukunft bewahren. Im Zweifel lohnt der Kontakt zu Restauratorinnen und Restauratoren – doch auch mit einfachen, schonenden Maßnahmen lassen sich viele Papiere retten und stabilisieren.